Das Wichtigste in Kürze
- Fünfzehn Minuten sind kurz. Wer ohne vorbereitete Frage hineingeht, bekommt eine Einschätzung, die er schon hat.
- Die nützlichste Frage lautet nicht, wie steht mein Kind da, sondern woran würden Sie erkennen, dass es besser wird.
- Schreiben Sie mit. Was im Gespräch selbstverständlich klingt, ist zwei Wochen später weg.
- Ein Gespräch, aus dem keine nächste Handlung folgt, war nur ein Termin.
Warum der Termin so oft nichts bringt
Der übliche Ablauf ist überall derselbe. Man sitzt auf einem Schülerstuhl, draußen wartet das nächste Elternpaar, und es fällt der Satz: wie steht mein Kind denn da. Darauf kommt eine freundliche, zutreffende und vollkommen unbrauchbare Antwort, meistens in der Form, es könnte etwas mehr sein, aber es ist alles in Ordnung. Man nickt, bedankt sich, geht, und im Auto merkt man, dass man nichts weiß, was man nicht vorher schon wusste.
Daran ist niemand schuld. Eine Lehrkraft unterrichtet viele Kinder und hat für Ihres ein paar Minuten. In dieser Zeit liefert sie das, wonach gefragt wurde, und eine offene Frage bekommt eine allgemeine Antwort. Der Hebel liegt deshalb fast vollständig bei der Vorbereitung, und die dauert zwanzig Minuten am Abend davor.
Zwanzig Minuten Vorbereitung
Die letzten Arbeiten heraussuchen
Nehmen Sie die beiden letzten korrigierten Arbeiten des Fachs mit, auch wenn Sie sie schon kennen. Eine Frage an einer konkreten Aufgabe bringt eine konkrete Antwort, eine Frage über das Fach im Allgemeinen eine allgemeine. Suchen Sie vorher die Stelle heraus, an der Sie am wenigsten verstehen, warum Punkte fehlen.
Ihr Kind vorher fragen
Zwei Fragen genügen: In welchem Fach ist es gerade am unangenehmsten, und was glaubst du, was die Lehrkraft mir sagen wird. Die Antworten sind oft überraschend genau. Und der Termin verändert sich dadurch: Ihr Kind ist nicht mehr der Gegenstand des Gesprächs, sondern hat einen Anteil daran.
Drei Fragen aufschreiben
Auf einen Zettel, nicht ins Gedächtnis. Im Gespräch kommt fast immer etwas dazwischen, und wer nichts vor sich liegen hat, stellt am Ende keine einzige Frage. Drei sind das Maximum, das in die Zeit passt.
Die Fragen, die etwas bringen
Der Unterschied zwischen einem nützlichen und einem freundlichen Gespräch liegt in der Formulierung. Diese hier haben sich bewährt.
- Woran würden Sie erkennen, dass es besser wird? Das ist die wichtigste. Sie verwandelt eine Einschätzung in ein Kriterium, an dem Sie in sechs Wochen selbst ablesen können, ob sich etwas bewegt.
- Welcher Themenbereich fehlt konkret? Nicht schwach in Mathe, sondern unsicher beim Umformen. Mit der ersten Auskunft kann niemand arbeiten, mit der zweiten sofort.
- Wie setzt sich die Note zusammen, was kommt aus den Arbeiten und was aus der sonstigen Mitarbeit? Hier stellt sich oft heraus, dass der größere Teil des Problems gar nicht dort liegt, wo alle gesucht haben.
- Wie erleben Sie mein Kind im Unterricht? Meldet es sich, fragt es nach, an welcher Stelle steigt es aus. Das ist die einzige Information, die Sie zu Hause unmöglich bekommen können.
- Was würden Sie an meiner Stelle zu Hause tun, und was ausdrücklich nicht? Der zweite Teil ist der wertvollere. Er verhindert Maßnahmen, die gut gemeint sind und gegenarbeiten.
- Gibt es etwas, das ich noch nicht weiß? Am Ende, als offene Tür. Manches wird nicht von sich aus angesprochen, weil es unangenehm ist, aber auf diese Frage hin schon.
Der Ton entscheidet mit
Lehrkräfte erleben an einem Sprechtag beides: Eltern, die entschuldigen, und Eltern, die anklagen. In beiden Fällen wird das Gespräch vorsichtig, und vorsichtige Gespräche sind unbrauchbar. Ein Satz am Anfang stellt das um: Ich möchte nicht diskutieren, wie die Note zustande kam, ich möchte wissen, wie wir da hinkommen, wo es hinsoll.
Wenn Sie eine Bewertung tatsächlich für falsch halten, ist das ein eigenes Anliegen mit einem eigenen Weg, und wie der an Ihrer Schule aussieht, sagt Ihnen die Schule. Der Sprechtag mit einer Warteschlange vor der Tür ist dafür der schlechteste denkbare Rahmen. Nehmen Sie sich diese fünfzehn Minuten für die Frage, was jetzt zu tun ist.
Danach entscheidet sich, ob es etwas gebracht hat
Der häufigste Fehler passiert nicht im Gespräch, sondern in den zwei Wochen danach. Es war alles einleuchtend, man hat es sich gemerkt, und dann kommt der Alltag. Drei Dinge verhindern das.
- Sofort mitschreiben. Noch auf dem Flur, drei Sätze: was fehlt, woran man den Fortschritt erkennt, was zu Hause anders laufen soll. Nicht später am Abend, da ist die Hälfte schon weg.
- Am selben Abend mit Ihrem Kind sprechen. Und zwar berichtend, nicht urteilend. Sie hat gesagt, dass du dich meldest, und dass beim Umformen etwas fehlt ist etwas anderes als, ich habe gehört, du strengst dich nicht an. Kinder erwarten nach einem Sprechtag ein Urteil. Wenn stattdessen eine Sachinformation kommt, hören sie zu.
- Eine einzige Sache ändern. Nicht fünf. Eine, die ab Montag gilt und die Sie in einem Satz sagen können. Alles weitere wäre ohnehin nach zwei Wochen wieder Vergangenheit.
Und tragen Sie sich einen Punkt in sechs bis acht Wochen in den Kalender ein, an dem Sie das Kriterium aus dem Gespräch überprüfen. Das ist der ganze Unterschied zwischen einem Termin und einem Verlauf.
Wenn Nachhilfe zur Sprache kommt
Manchmal schlägt die Lehrkraft sie vor, manchmal fragen Eltern danach. In beiden Fällen gibt es eine Nachfrage, die mehr wert ist als die Empfehlung selbst: Woran genau sollte jemand von außen arbeiten? Eine Antwort wie Bruchrechnung aus Klasse 6, das fehlt bis heute, ist Gold wert. Eine Antwort wie einfach mehr üben ist ein Hinweis darauf, dass die Ursache noch nicht gefunden ist, und dann lohnt sich Suchen mehr als Buchen.
Ehrlicherweise gibt es drei Fälle, in denen wir vom Start abraten würden. Wenn Ihr Kind den Stoff kann und es an Organisation und erledigten Aufgaben scheitert, fehlt kein Unterricht, sondern Struktur zu Hause. Wenn im letzten Gespräch bereits ein Plan vereinbart wurde, den noch niemand ernsthaft versucht hat, gibt man diesem Plan besser erst die sechs Wochen. Und wenn das gesamte Bild gleichzeitig abgesackt ist, auch in Fächern, die immer liefen, dann liegt die Ursache selten im Stoff. Das gehört zur Klassenlehrkraft, zur schulpsychologischen Beratungsstelle und zu Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt, bevor irgendjemand Unterricht dazukauft.