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Spanisch: die drei Stellen, an denen es steil wird

Spanisch fängt leichter an als Französisch und wird an genau drei Stellen steil. Warum die Frage nach der Übersetzung dort in die Irre führt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Spanisch fängt leichter an als Französisch und wird an genau drei Stellen steil: ser und estar, indefinido und imperfecto, subjuntivo.
  • Alle drei haben dieselbe Ursache: Das Deutsche hat dort nur eine Form, wo das Spanische zwei hat.
  • Deshalb führt die Frage, was ein Satz auf Deutsch heißt, an diesen Stellen zuverlässig in die Irre. Die brauchbare Frage lautet, was gerade die Situation ist.
  • Die Formen sind schnell gelernt. Die Entscheidung zwischen ihnen braucht Monate, und daran ändert kein Kurs etwas.

Wo Spanisch tatsächlich schwierig wird

Der Anfang ist freundlich. Man spricht, wie man schreibt, und die ersten Gespräche gelingen früher als in den meisten anderen Sprachen. Genau deshalb überrascht der Punkt, an dem es kippt: Die Noten rutschen nicht wegen der Vokabeln, sondern an drei grammatischen Stellen, die im ersten Jahr noch nicht vorkommen.

Diese drei haben etwas gemeinsam: Sie unterscheiden etwas, das im Deutschen nicht unterschieden wird. Wer einen spanischen Satz übersetzt und dann prüft, welche Variante sich richtig anfühlt, bekommt für beide Möglichkeiten dieselbe Antwort und lernt nichts. Das ist keine Nachlässigkeit, sondern ein Werkzeug, das hier nicht greift.

ser und estar: was etwas ist und wie es gerade ist

Die Faustregel, die nicht trägt

In vielen Heften steht, ser sei für Dauerhaftes und estar für Vorübergehendes. Diese Regel hält ungefähr eine Woche. Está muerto ist nichts weniger als vorübergehend und steht trotzdem mit estar. Es joven ist alles andere als dauerhaft und steht mit ser. Wer sich darauf verlässt, gerät bei den ersten Ausnahmen ins Rutschen und traut der Sache danach nicht mehr.

Die Frage, die trägt

Ser sagt, was jemand oder etwas ist: Identität, Herkunft, Beruf, Material, Besitz, Uhrzeit, Datum, die Eigenschaften, die zur Beschreibung gehören. Estar sagt, wo etwas ist und in welchem Zustand es sich gerade befindet, und es steht immer dann, wenn ein Zustand das Ergebnis einer Veränderung ist. Ein Bild dafür, das lange trägt: Ser ist der Eintrag im Ausweis, estar ist der Bericht von heute.

Eine Stelle wirkt zuerst wie ein Widerspruch und bestätigt die Regel. Der Ort einer Sache steht mit estar, la casa está en Madrid. Der Ort einer Veranstaltung steht mit ser, la fiesta es en mi casa. Ein Fest liegt nicht irgendwo, es findet statt.

Die Paare, bei denen sich die Bedeutung ändert

  • ser aburrido heißt langweilig, estar aburrido heißt gelangweilt.
  • ser listo heißt klug, estar listo heißt fertig oder bereit.
  • ser rico heißt reich, estar rico sagt man über Essen, das schmeckt.

Diese Paare sind keine Ausnahmen. Sie sind die Regel in Reinform: einmal die Eigenschaft, einmal der Zustand von jetzt. Wer sie so liest, muss sie nicht auswendig lernen.

indefinido und imperfecto: das Ereignis und der Hintergrund

Auch hier hat das Deutsche eine Vergangenheit und das Spanische zwei. Das indefinido erzählt, was passiert ist: ein Ereignis mit Anfang und Ende, das die Geschichte weiterbringt. Ayer fui al cine. Das imperfecto beschreibt, was drumherum war: Zustände, Gewohnheiten, Alter, Wetter, Uhrzeit, alles, was lief, ohne dass ein Ende interessiert. Cuando era pequeño, íbamos siempre a la playa.

Das Bild vom Film hilft fast immer. Das imperfecto ist die Kulisse und die Kamerafahrt, das indefinido ist, was in der Szene geschieht. Llovía cuando salí: Der Regen lief schon, das Hinausgehen ist der Einschnitt. Signalwörter wie siempre, todos los días und mientras auf der einen Seite und ayer, de repente und una vez auf der anderen funktionieren deshalb, aber sie sind die Folge und nicht der Grund.

Ein Hinweis für alle, die gerade Englisch und Spanisch nebeneinander haben: Das ist nicht dieselbe Unterscheidung wie simple past gegen present perfect. Im Englischen geht es darum, ob der Zeitraum vorbei ist. Im Spanischen geht es darum, ob man das Ereignis erzählt oder den Hintergrund beschreibt. Beide Sprachen teilen etwas auf, das im Deutschen zusammenfällt, aber sie teilen es an unterschiedlichen Stellen. Für den Zeitraum, der bis jetzt reicht, hat das Spanische eine eigene Form mit he hablado, und wie oft sie benutzt wird, unterscheidet sich je nach Region. Maßgeblich ist, was im Unterricht verlangt wird.

Die Verben, bei denen die Übersetzung am meisten schadet

  • saber: sabía heißt wusste, supe heißt erfuhr.
  • conocer: conocía heißt kannte, conocí heißt lernte kennen.
  • querer: quería heißt wollte, quise heißt versuchte, und no quise heißt weigerte sich.
  • poder: podía heißt war in der Lage, pude heißt schaffte es tatsächlich.
Diese drei Stellen sind erklärbar, und meist reicht dafür weniger Zeit, als der Zustand vermuten lässt. Zur kostenlosen Probestunde oder telefonisch unter 0163 / 2666082.

Der subjuntivo ist keine Zeit, sondern eine Haltung

Der subjuntivo wird oft wie eine weitere Zeitform gelernt, und dann wird er nie klar. Er ist keine. Er ist ein Modus, also eine Art, wie ein Satz zur Wirklichkeit steht. Der Indikativ stellt fest, was ist. Der subjuntivo steht dort, wo nicht festgestellt wird, sondern gewünscht, verlangt, bezweifelt, bewertet, oder wo etwas noch gar nicht eingetreten ist.

Das Deutsche hat mit dem Konjunktiv eine Form, die ähnlich aussieht und für etwas anderes benutzt wird, nämlich für indirekte Rede, Höflichkeit und Irreales. Deshalb schadet die Übersetzung hier besonders: Quiero que vengas heißt ich will, dass du kommst, und im deutschen Satz steht ein ganz normaler Indikativ.

Er wird ausgelöst, er entsteht nicht von selbst

Der subjuntivo steht fast immer im Nebensatz nach que, und was ihn auslöst, steht im Hauptsatz davor. Die Auslöser lassen sich nach Bedeutung ordnen, und dann ist die Liste kurz: Wunsch und Aufforderung, Gefühl, Zweifel und Verneinung, unpersönliche Wertung, Absicht, und Zeitangaben, die in der Zukunft liegen. Quiero que vengas. Me alegro de que estés aquí. Es importante que estudies. Para que lo entiendas.

Die Paare, an denen man es sieht

  • Creo que viene steht im Indikativ, no creo que venga im subjuntivo. Die Verneinung nimmt die Feststellung zurück.
  • Cuando llego a casa, ceno beschreibt eine Gewohnheit. Cuando llegue a casa, cenaré spricht von etwas, das noch nicht passiert ist.
  • Busco un piso que tiene balcón meint eine bestimmte Wohnung, die es gibt. Busco un piso que tenga balcón meint irgendeine, die diese Eigenschaft hätte.

Ehrlicherweise gehört dazu: Der subjuntivo ist in einer Woche nicht zu erledigen. Die Formen sind schnell gelernt, die Entscheidung braucht Monate. Er ist die Stelle, an der regelmäßige kurze Wiederholung mehr bringt als jede geballte Sitzung vor der Arbeit.

Wie man diese drei Stellen übt

Nicht mit Vokabeln, sondern mit Satzpaaren. Ein einzelner Satz zeigt nichts, ein Paar zeigt den Unterschied, und geprüft wird der Unterschied.

  • Je eine Seite für die drei Stellen, zwei Spalten. Jede Woche kommen zwei selbst gefundene Beispiele dazu, aus dem Buch, aus einem Lied, aus einer Serie.
  • Zehn Minuten an einem beliebigen spanischen Text: jedes ser und estar markieren und in drei Wörtern begründen. Das ist die beste Übung überhaupt und braucht kein Arbeitsblatt.
  • Laut sprechen, auch allein. Beim Sprechen muss entschieden werden, und zwar sofort. Genau diese erzwungene Entscheidung fehlt beim Ausfüllen von Lücken.
  • Bei jedem Fehler nicht die richtige Form notieren, sondern die Frage, die man hätte stellen müssen. Was war hier die Situation?

Wann Nachhilfe nicht das richtige Mittel ist

Wenn nur die Konjugationstabellen fehlen, also die Endungen selbst, dann ist das Auswendigarbeit. Sie lässt sich nicht delegieren, und zehn Minuten täglich bringen dabei mehr als eine Stunde in der Woche. Wer dafür Unterricht bezahlt, bezahlt jemanden fürs Zuschauen.

Wenn der Grundwortschatz fehlt, gehen Grammatikstunden daran vorbei. Man kann den subjuntivo nicht an Sätzen üben, die man ohnehin nicht versteht. Dann kommt der Wortschatz zuerst, und das ist eine Frage von Wochen und nicht von Stunden.

Und wer Spanisch spät begonnen hat, arbeitet in kurzer Zeit durch viel Stoff. Die ersten Monate fühlen sich steil an, ohne dass etwas schiefläuft. Dann lohnt es sich, vor einer Entscheidung über Nachhilfe die zweite oder dritte Arbeit abzuwarten.

Passend dazu

  • Englische Zeitformen sortieren

    Das Deutsche hat eine Vergangenheit, das Englische mehrere. Deshalb hilft die Übersetzung bei der Wahl der Zeitform kein Stück weiter.

  • Vokabeln lernen, das hängen bleibt

    Dieselbe Zeit, anders verteilt, hält doppelt so lange. Zwei Techniken sind gut belegt, und beide fühlen sich anstrengender an als das, was die meisten tun.

  • Lernplan für die Klassenarbeit

    Nicht mehr Stunden, sondern die richtigen: ein konkreter Plan für die zehn Tage vor der Arbeit, den Familien sofort übernehmen können.

Die erste Stunde kostet nichts.

Schreiben Sie uns, was in der Schule gerade nicht läuft. Wir melden uns spätestens am nächsten Werktag und schlagen einen Termin für die Probestunde vor.

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